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Oeversee’s Bürgermeister Ralf Bölck hofft für seine Gemeinde auf einen raschen Ausbau des Glasfasernetzes.

Michael Gorbatschow hat einmal gesagt: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“
In Oeversee ist es genau anders herum – die Gemeinde hat sich zu früh für einen Glasfaserausbau engagiert.

Wir müssen uns für die Zukunft aufstellen – und ohne Glasfasernetz ist das einfach nicht möglich“, sagt Oeversees Bürgermeister Ralf Bölck im Gespräch.
„Die gesamte Technik zielt doch darauf ab, dass wir mit Glasfaser verbunden sind: für autonomes Fahren, für unsere Ärzte, für jede Art von Kommunikation und nicht zuletzt auch für das Fernsehen.“ Der Unionspolitiker, der seit 2013 die Geschicke der Gemeinde Oeversee im gleichnamigen Amt leitet, ist sich sicher: „Mit den alten Kupferkabeln der Telekom kommen wir nicht mehr weit, denn die Technik wird immer anspruchsvoller, und die Daten, die durchs Netz geschickt werden, immer umfangreicher.“ Hinzu komme, dass auch in Oeversee immer mehr Menschen von Zuhause aus arbeiten. „Die brauchen eine sichere Verbindung ins Internet“, sagt Bölck. Das lasse sich nun einmal nur mit Glasfaser gewährleisten.

Engagement auf die Füße gefallen

In vielen Gemeinden in Schleswig-Holstein wurde bereits ein Glasfasernetz ausgebaut. Warum nicht auch in Oeversee? Bölcks Antwort verblüfft: „Unser Problem war, dass wir zu früh waren“, denn man habe sich bereits vor gut zehn Jahren an der Verlegung einer Glasfaserleitung der Telekom finanziell beteiligt. Dadurch sei Oeversee im Ortskern zu gut an-gebunden. „Dieses Engagement ist uns später immer wieder auf die Füße gefallen, weil wir dadurch ständig aus der Förderung durch die Bundesnetzagentur rausgefallen sind.“ Und ohne Förderung könne die 3400-Seelen-Gemeinde ein Vorhaben wie den Ausbau des Glasfaser-Netzes nicht finanzieren.
Insgesamt kostet die Versorgung des Amtes Oeversee mit Glasfaserleitungen und der damit verbundene Ausbau eines entsprechenden Netzes zwischen 15 und 20 Millionen Euro. Ein gutes Drittel davon – also zwischen 5 und 6,6 Millionen Euro – müsste die Gemeinde aufbringen, wenn sie in Eigenregie ein solches Netz auf die Beine stellen wollte.
„Selbst, wenn wir das Geld hätten –und wir haben es nicht – würden wir mächtigen Ärger mit der Kommunalaufsicht bekommen, wenn wir einen Ausbau aus eigener Tasche oder mit Krediten finanzieren würden.“
Trotz der von Flensburg kommenden Glasfaserleitung – Glasfaser ins Haus bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher dennoch nicht, denn es handelt sich um so genanntes VDSL Vectoring. Dabei läuft eine Glasfaserleitung bis zu einem Verteiler, und von dort geht es mit einer herkömmlichen Kupferleitung weiter ins Haus. Das ist etwa so, als würde man mit einem Porsche zum Verteiler fahren und dort auf ein Fahrrad umsteigen.

VDSL Vectoring nur im Ortskern

Auch Ralf Bölck ist davon über-zeugt, dass diese Technik nicht zukunftsträchtig ist. „Ohnehin liegt die Leitung nur im Ortskern. Und nicht einmal dort haben alle Anwohner die Möglichkeit, VDSL Vectoring zu nutzen.“ Außerdem: Je weiter weg die Häuser vom Verteiler liegen, desto schlechter wird die Leitung.
Viele Einwohnerinnen und Einwohner Oeversees warten daher händeringend auf den Glasfaserausbau, sagt der Bürgermeister. „Das weiß ich aus zahlreichen Gesprächen.“ Das betreffe nicht nur private Haushalte. Für einige Unternehmen, die sich im Außenbereich Oeversees angesiedelt haben, sei ein schnelles Internet geradezu überlebenswichtig. „Insbesondere die produzierenden Betriebe brauchen eine vernünftige und stabile Verbindung ins Netz.“
Beispielsweise gebe es in der Gemeinde einen Metall verarbeitenden Betrieb, der „riesige Datenmengen für die Maschinen hoch- und runter-laden muss“. Derzeit nehme das mehrere Stunden in Anspruch. Damit sich ein Ausbau des Glasfasernetzes im Amt Oeversee wirtschaftlich rechnen lässt, müssen sich mindestens 50 Prozent aller Haushalte an das Netz anschließen lassen. Ein schwieriges Unterfangen? Bölck schüttelt den Kopf. „Ich bin mir sicher, dass wir in Oeversee die erforderliche Anschlussquote problemlos erreichen werden. „Denn wenn wir jetzt kein Glasfaser-Netz durch die Amtswerke Eggebek bekommen, wird auf Jahre hinaus nichts passieren – das ist weder gut für die Gemeinde noch für die Einwohnerinnen und Einwohner.“

Richard C. Wolf | Perry Haardt

Amt Oeversee TreeneNet Vermarktung

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